Tomaschko und Düll: Wie Schule jedes Kind bestmöglich fördern kann

23.09.2026

„Wir müssen jedes Kind möglichst frühzeitig entsprechend seinen Fähigkeiten und Begabungen fördern.“ Diese Leitlinie stellte Peter Tomaschko, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Kultus im Bayerischen Landtag, beim politischen Abend der Frauen-Union Aichach-Friedberg in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, diskutierte er darüber, wie Schule junge Menschen bestmöglich auf ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg vorbereiten kann.

Wie groß die Herausforderung ist, zeigen die jüngsten PISA-Ergebnisse: In Deutschland erreicht rund ein Drittel der 15-Jährigen in Mathematik und Lesekompetenz nicht das grundlegende Kompetenzniveau, in den Naturwissenschaften ist es etwa ein Viertel. In allen drei Bereichen liegen die Ergebnisse auf dem niedrigsten Niveau, das Deutschland bislang bei PISA erreicht hat (vgl. OECD 2026).

Für Tomaschko ist das ein Auftrag, die Stärken des bayerischen Bildungssystems weiterzuentwickeln und zugleich gezielt dort anzusetzen, wo Verbesserungen notwendig sind. „Bayern steht im Vergleich gut da. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen“, betonte er. Entscheidend sei, dass Basiskompetenzen verlässlich vermittelt und individuelle Stärken gezielt gefördert würden. Berufliche und akademische Bildung seien dabei gleichermaßen wichtig.
„Es gibt keine höchste Form von Bildung. Entscheidend ist, welche Fähigkeiten und Begabungen ein Kind mitbringt und wie wir diese bestmöglich fördern“, betonte Tomaschko. Bildung eröffne jungen Menschen Zukunftschancen und bilde eine wichtige Grundlage für ihren späteren beruflichen Weg und ihre materielle Absicherung.
 
Tomaschko verwies darauf, dass sich auch die Anforderungen an Schule mit gesellschaftlichen Veränderungen weiterentwickelten. Gemeinsam mit dem Bildungsausschuss schaut er deshalb über Bayern hinaus nach Ansätzen, die sich unter den jeweiligen Bedingungen übertragen ließen. Länder wie Singapur, Japan und Südkorea könnten dabei Anregungen geben.
 
Stefan Düll richtete den Blick auf die Rahmenbedingungen an den Schulen. Lehrkräfte seien die zentrale Ressource für gute Bildung. Vorhandene personelle Spielräume sollten deshalb genutzt werden, um Schulen zu stärken und Ausfälle besser abzufangen. Gerade kleinere Grundschulen könnten längerfristige Ausfälle nur schwer kompensieren. Düll brachte deshalb gemeinsame Springerkräfte für mehrere Schulen ins Gespräch. Entscheidend sei, dass Personalreserven im Bedarfsfall tatsächlich verfügbar seien und nicht bereits anderweitig verplant würden.
 
Düll sprach sich zudem für mehr Verlässlichkeit im Schulsystem aus. Kinder und Schulen bräuchten über die gesamte Bildungszeit hinweg stabile Rahmenbedingungen. Häufige Veränderungen von Schulstrukturen und die Einführung neuer Schularten sieht er deshalb kritisch. Verbesserungen sollten vielmehr innerhalb des bestehenden Systems ansetzen – insbesondere durch ausreichende personelle und sachliche Ressourcen.
 
Auch bei der Inklusion plädierte Düll für eine individuelle Betrachtung. Gemeinsamer Unterricht allein bedeute noch keine gezielte Förderung. Gleichzeitig brauche es weiterhin Förderschulen mit ihren spezialisierten personellen, räumlichen und therapeutischen Angeboten. Maßgeblich ist aus Dülls Sicht, welche Unterstützung das einzelne Kind benötigt.
 
Organisiert wurde der politische Abend der Frauenunion Aichach-Friedberg von einem Organisationsteam um die Kreisvorsitzende Iris Eberl.