„Von Günzburg lernen“

Bildungsausschuss-Vorsitzender Peter Tomaschko besucht Vorzeigemodell für digitale Bildung

06.07.2026

Der Landkreis Günzburg gilt bayernweit als Vorreiter bei der Digitalisierung an Schulen. Wie dieses Erfolgsmodell funktioniert und warum es sowohl Lehrkräfte als auch Kommunen nachhaltig entlastet, davon überzeugte sich der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultus im Bayerischen Landtag, Peter Tomaschko, bei einem Informationsbesuch im Staatlichen Schulamt Günzburg.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Strukturen, die den digitalen Wandel im Landkreis ermöglichen. Ein eigens gegründeter Zweckverband übernimmt als Bindeglied zwischen Schulen und IT zentrale Aufgaben bei Betreuung, Wartung und technischem Support. Auch die Beschaffung digitaler Endgeräte erfolgt zentral. Das reduziert den organisatorischen Aufwand für die Schulen, schafft einheitliche Standards und spart zugleich Kosten.
 
Der Zweckverband präsentierte dabei seine Arbeitsweise und zeigte auf, wie durch zentrale IT-Strukturen Schulen und Sachaufwandsträger gleichermaßen unterstützt werden. Beim Austausch mit Schulamtsdirektor Thomas Schulze, Schulrat Markus Mayer und dem medienpädagogischen Berater des Medienzentrums Günzburg, Jürgen Schlieszeit, standen insbesondere die Erfahrungen aus der täglichen Praxis sowie die Frage im Mittelpunkt, welche Rahmenbedingungen digitale Bildung dauerhaft erfolgreich machen.
 
Ebenso unterstützt die Verwaltung die Kommunen bei Förderanträgen und der Inanspruchnahme staatlicher Programme. Gerade kleinere Schulaufwandsträger profitieren von dieser Entlastung. „Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, neben ihren eigentlichen Aufgaben auch die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Der Landkreis Günzburg zeigt eindrucksvoll, wie Verwaltung hier echte Unterstützung leisten kann“, betonte Tomaschko.
 
„Digitalisierung gelingt nur dann nachhaltig, wenn Technik, pädagogische Konzepte und verlässliche Unterstützung ineinandergreifen. Unser Ziel ist es, Lehrkräfte von technischen Aufgaben zu entlasten, damit sie sich auf das konzentrieren können, worauf es ankommt: guten Unterricht“, erklärte Schulamtsdirektor Thomas Schulze.
 
Beeindruckt zeigte sich Tomaschko auch vom einheitlichen Mobile-Device-Management-System (MDM), über das sämtliche schulischen Endgeräte zentral verwaltet werden. Während der Unterrichtszeit stehen die Geräte ausschließlich für schulische Anwendungen zur Verfügung, nach Schulschluss können sie auch privat genutzt werden. Das schafft klare Rahmenbedingungen für den Unterricht und erhöht zugleich die Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern.
 
Entscheidend sei jedoch nicht die Technik allein, sondern ihr pädagogischer Einsatz. „Bayern investiert erhebliche Mittel in die digitale Ausstattung seiner Schulen. Entscheidend ist aber, was daraus im Klassenzimmer entsteht. Ein Hefteintrag auf dem Tablet macht Unterricht noch nicht besser. Digitalisierung entfaltet ihren Mehrwert erst dann, wenn sie Schülerinnen und Schüler zum eigenständigen Denken, Gestalten und Lernen befähigt“, erklärte Tomaschko.
 
Wie dieser Anspruch in der Praxis umgesetzt wird, zeigte sich anschließend bei einem Unterrichtsbesuch in einer 6. Klasse der Freiherr-von-Stain-Mittelschule in Ichenhausen. Nach dem gemeinsamen Anhören eines Kapitels ihrer Klassenlektüre entwickelten die Schülerinnen und Schüler auf ihren iPads eigene Visualisierungen der Handlung. Anschließend präsentierten sie ihre Ergebnisse vor der Klasse, diskutierten unterschiedliche Lösungsansätze und gaben sich gegenseitig Feedback. So wurde deutlich, wie digitale Werkzeuge kreatives Arbeiten, selbstständiges Lernen und den fachlichen Austausch sinnvoll unterstützen können.
 
Digitale Lernprogramme unterstützen diesen Ansatz. Sie ermöglichen individuelles Lernen im eigenen Tempo, fördern Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung und schaffen zugleich Freiräume für Lehrkräfte. Diese können ihre Zeit gezielter für die Förderung leistungsschwächerer ebenso wie besonders leistungsstarker Schülerinnen und Schüler nutzen.
 
Ergänzt wird das Gesamtkonzept durch das Zentrum für digitale Lernwelten (ZDL) beziehungsweise das Medienzentrum des Landkreises. Dort erhalten Lehrkräfte und weitere Bildungseinrichtungen – von Grund- und Mittelschulen bis hin zur Volkshochschule – Fortbildungen und praxisnahe Unterstützung. So wird digitale Bildung nicht nur technisch ermöglicht, sondern auch dauerhaft pädagogisch begleitet und weiterentwickelt.
 
Für Peter Tomaschko ist der Landkreis Günzburg ein Beispiel dafür, wie erfolgreiche Bildungspolitik vor Ort umgesetzt werden kann. „Als Vorsitzender des Bildungsausschusses ist es mir wichtig, erfolgreiche Konzepte unmittelbar vor Ort kennenzulernen und die gewonnenen Erfahrungen in die bildungspolitische Arbeit des Bayerischen Landtags einfließen zu lassen. Der Landkreis Günzburg zeigt eindrucksvoll, dass Digitalisierung dann erfolgreich ist, wenn moderne Technik, engagierte Lehrkräfte und verlässliche Strukturen zusammenkommen. Gerade die enge Zusammenarbeit zwischen Schulamt, Kommunen und Schulen kann dabei Vorbild für viele Regionen in Bayern sein.“